Dienstag, 29 Juli 2008 00:00

Technology of Participation: wie effektive Arbeit in Gruppen gelingen kann

geschrieben von  Theresa Riechert

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Egal ob es um einen allgemeinen Meinungs- und Ideenaustausch, um eine zu fällende Entscheidung oder um die Planung eines gemeinsamen Projektes geht: immer stellt sich Gruppen die Frage, wie dies effektiv und unter Beteiligung aller geschehen kann. Gefragt ist Teamgeist und nicht Einzelkämpfer-Mentalität, und genau das ist die Zielsetzung der Technology of Participation (=ToP): Sie möchte Moderatoren, und allen, die zusammen etwas erreichen wollen Methoden bieten, die die Zeit und Energie aller Mitglieder nutzen und schnell gemeinsames Handeln ermöglichen. Dabei beruht ToP auf dem Grundsatz, dass die Beteiligung aller der Schlüssel zu effizienter und harmonischer Arbeit in Gemeinschaften ist.

Was umfasst ToP, und wozu ist sie geeignet?

Eigentlich handelt es sich bei der Technology of Participation um verschiedene Methodenbausteine, die zwar einerseits aufeinander aufbauen, andererseits aber auch getrennt voneinander angewendet werden können. Im Wesentlichen umfasst ToP folgende drei Bausteine:

- Austauschmethode:
Dieser Baustein bildet gewissermaßen das Fundament der Technology of Participation. Dabei zielt sie auf eine strukturierte und zielgerichtete Diskussion ab: die Ideen aller zu einem bestimmten Thema sollen gesammelt werden, konträre Positionen zielführend verdeutlicht und letztendlich konkrete Handlungsalternativen aufgezeigt werden. Und das ohne die Dominanz einzelner Gruppenmitglieder, die die anderen mit ihren Ideen ins Abseits stellen.

- Konsens-Workshop:
Dabei ist ein konkretes Handlungskonzept das Ziel, welches auf dem Wege gegenseitigen Konsens von einer Idee zu einem realisierbaren Plan führen soll. Alle Ideen und Anregungen einzelner werden in einen Gesamtplan der Gruppe integriert, indem sich zunächst der einzelne über seine Vorstellungen klar wird und diese daraufhin basisdemokratisch in einen von allen getragenen Plan integriert werden.

- Aktionsplanung:
Beruhend auf dem gemeinsam gefundenen Konzept, strukturiert die Aktionsplanung dann das konkrete Vorgehen: verbindlich werden Ziele, Verantwortlichkeiten und erste Schritte festgelegt, die zum gemeinsam vereinbarten Ziel führen sollen. Bei diesem Baustein steht vor allem die Realisierbarkeit im Vordergrund, wobei ebenfalls alle Ideen der einzelnen Berücksichtigung finden sollen.

Allgemein handelt es sich somit bei ToP um ein Paket sehr konkreter Methoden zur Gruppenorganisation und Projektplanung, die Gruppenmitgliedern dabei helfen sollen:

  • Themen strukturiert und effektiv zu bearbeiten
  • Die Interessen und Positionen jedes einzelnen die nötige Achtung entgegenzubringen und in die Arbeit zu integrieren, sodass das gesamte Potenzial der Gruppe optimal genutzt wird
  • Das Engagement der Teammitglieder zu erhöhen und den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken
  • Lösungen und Handlungskonzepte zu entwickeln, die auf dem Konsens und der Beteiligung aller beruhen

Der Hintergrund: woher ToP stammt

Die Technology of Participation wurde in den 1970er Jahren in den USA entwickelt, um Minderheiten besser an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Seitdem wird sie weltweit in über 50 Ländern erfolgreich in verschiedensten Kontexten angewendet: Gemeinde- und Stadtteilarbeit, Gewerkschaften, Unternehmen, Jugendgruppen, .... Vor 5 Jahren wurde die Methode dann durch die Bertelsmann Stiftung und das Centrum für angewandte Politikforschung für Deutschland und speziell für die Arbeit mit Jugendlichen adaptiert. Seitdem werden immer wieder Workshops zum Erlernen der Methode angeboten und es ist auch ein Buch erschienen „ToP-Fit für Beteiligung ", das als Moderationshandbuch für Jugendliche dienen soll.

Weitere Informationen:

Näheres findet sich bei Beteiligung ist machbar e.V. , ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ToP deutschlandweit zu verbreiten. Hier kann auch das Moderationshandbuch erworben werden.
Die Initiative CoActive und das Netzwerk Politische Bildung Bayern organisieren zusammen mit dem DGB Bildungszentrum in Hattingen eine Ausbildung zur „Technology of Participation", die vom 4.-9.12.2008 stattfinden wird. Weitere Informationen finden Sie hier.

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