Freitag, 10 September 2010 00:00

Planspiele in der politischen Bildung

geschrieben von  Miriam Apffelstaedt

planspiele 1

Politische Zusammenhänge sind in der Regel kompliziert. Um beispielsweise zu verstehen, warum sich Verhandlungen zwischen den vielen EU-Staaten lange hinziehen oder wie Aushandlungsprozesse im politischen Alltag vonstatten gehen, vereinfacht das eigene Erleben ähnlicher Situationen das Verstehen.
Eine gute Möglichkeit für die politische Bildung bieten Planspiele. Diese erzeugen ein modellhaftes, vereinfachtes Szenario, das üblicherweise einen simulierten Konflikt aus der Realität abbildet.

Die Teilnehmer des Planspiels übernehmen während der Simulation vorgegebene Rollen, innerhalb dieser sie agieren.

Planspiele ermöglichen, zum Beispiel Entscheidungsprozesse, Gründe für Kooperationen oder auch Konfliktursachen nachzuvollziehen. Gleichzeitig kann das eigenen Handeln und dessen Konsequenzen in einer hierzu erschaffenen Spielsituation geprobt und getestet werden.

Idealtypischer Ablauf

Normalerweise durchläuft ein Planspiel vier Phasen. Es beginnt mir der Vorbereitungsphase, an die die Phase der Rollenvergabe und Einführung in das Planspiel erfolgt. In dieser werden die Regeln und der Ablauf des Planspiels erläutert, die Teilnehmer bekommen erhalten ihre Rollen und können sich auf diese ggf. vorbereiten. Während der Simulationsphase wir das Szenario des Planspiels bearbeitet. Entscheidend für den Erfolg eines Planspiels und dessen Lernerfolg ist die abschließende Phase der Auswertung. Es gilt in dieser Phase zu beachten, dass die Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, ihre Rollen abzulegen. Anschließend sollte eine gemeinsame Auswertung erfolgen, in der Teilnehmer die Möglichkeit haben, ihr Erleben zu schildern und die Perspektiven der Mitspieler kennen zu lernen. In einem weiteren Schritt kann dann der Bezug zur Realität hergestellt werden.

Zeitrahmen

Planspiele benötigen genügend Zeit, um die Phasen der Einführung, Simulation und Auswertung durchlaufen zu können. - Mindestens sechs Stunden sind der Regelfall. Es existieren jedoch auch mehrtätige Planspiele, wie das Planspiel POL&IS der Bundeswehr.

Lerneffekte

Planspiele schaffen als handlungsorientierte Methode einen Rahmen für Probehandeln. Planspiele leben von der Interaktion der Teilnehmer miteinander und können damit Sozialkompetenzen fördern.

Für die politische Bildung bedeutsam ist der Wissensgewinn über politische Systeme und das Wissen um die Zusammenhänge in diesen. Hinzu kommt, dass Simulationen von Situationen geschaffen werden, die in der Realität nur schwer herzustellen sind. Zum Beispiel eine Sitzung des Europäischen Rats (Geuting 2000).

Grenzen

Planspiele können immer nur eine Abbildung der Realität darstellen. Sie leben davon, dass Situationen und Zusammenhänge vereinfacht werden. Die Komplexität der Wirklichkeit sollte daher, immer auch in der Auswertung thematisiert werden.

Dennoch ermöglichen Planspiele einen erlebnisorientierten Zugang zu politischen Themen jenseits von theoretischer Vermittlung.

Weiterführende Informationen:

Eine hervorragende und umfassende Erklärung zu Planspielen von Stefan Rappenglück findet sich auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.
Dort findet sich auch eine Datenbank mit 243 Beschreibungen von Planspielen für die politische Bildung. Unter anderem findet sich dort auch das Planspiel zur Kommunalwahl „Jeder wählt in Jedastadt" muss noch eingefügt werden!!! .

Literatur:

Geuting, M. (2000): Soziale Simulation und Planspiel in pädagogischer Perspektive. IN: Herz, D.; Blätte, A. (2000): Simulation und Planspiel in den Sozialwissenschaften. Eine Bestandsaufnahme der internationalen Diskussion. Münster.

Herz, D.; Blätte, A. (2000): Simulation und Planspiel in den Sozialwissenschaften. Eine Bestandsaufnahme der internationalen Diskussion. Münster.

Gelesen 1203 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 05 November 2014 19:55
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