Mittwoch, 09 März 2011 00:00

Die Simpsons als Methode der politischen Bildung?

geschrieben von  Kristin Lehmann

simpsons

Die Comic-Serie „Die Simpsons" entstand 1987 in den USA und ging auch da 1989 als Serie zum ersten Mal auf Sendung. Seit dem tritt die Serie ihren Siegeszug auf der ganzen Welt an, in erster Linie jedoch als unterhaltende Cartoon-Show. Jedoch steckt in dieser Serie auch großes politisches Potenzial, welches oft übersehen wird, dazu aber später mehr. In Deutschland hat diese Serie auch eine enorme Fangemeinde, so fand die Jim-Studie 2006 heraus, dass diese Serie die beliebteste Cartoon-Serie in Deutschland ist. Anzumerken ist weiterhin, dass diese Serie keinesfalls nur für Kinder gedacht ist, so wie es in Deutschland oft angenommen wird. Natürlich beinhaltet diese Show Slepstick für Kinder, aber im höheren Maße ist er für (junge) Erwachsene geeignet. Hier ist es auch egal aus welcher Bildungs- oder Sozialschicht diese kommen. Sprich mit der Serie „Die Simpsons" haben wir ein Medium vor uns, welches bei einer breiten Masse von Schülern, Kindern und (jungen) Erwachsenen gleichermaßen beliebt ist. Ohne Anstrengung kann man so die politische Bildung direkt in das Leben, in den Alltag der Adressaten bringen und muss dennoch keinen Aufwand betreiben dies mit politischen Themen zu verbinden.

 

Was sind Die Simpsons überhaupt?

Da wir festgestellt haben, dass nicht alle „Die Simpsons" kennen, vielleicht auch weil die Mehrheit es für eine Kindersendung hält, hier noch mal in Kürze eine Beschreibung der Rahmenhandlung:
„Die Simpsons" ist eine „Standardfamilie", die in der amerikanischen Kleinstadt Springfield lebt. Diese Kleinstadt könnte jedoch jede andere Kleinstadt auf der ganzen Welt sein. Die Familie besteht aus der Mutter (Marge), eine klassische Hausfrau und dem Vater (Homer), welcher übergewichtig und faul ist und dessen Hobbys Bier trinken und Donuts essen sind. Drei Kinder leben in dieser Familie zum einen Lisa (8), sie ist eine Liebhaberin von Jazz Musik und sie liebt Moral und Politik. Das komplette Gegenteil ist ihr Bruder Bart (10), er hasst die Schule und liebt es anderen Leuten Streiche zu spielen, weshalb er nicht gerade beliebt bei den Bewohnern Springfields ist. Den Abschluss bildet das Baby Maggie. Diese Hauptpersonen werden ergänzt durch Personen, wie einem Priester, einem Alkoholiker, einem indischen Einwanderer, lokalen Politiker, Leuten aus dem Fernsehbereich und einem geldgierigen Unternehmer. Daneben gibt es immer wieder Gastauftritte von Personen aus dem aktuellen gesellschaftlichen/politischem Geschehen.

Was ist jetzt das politische an dieser Serie?

Die Hauptthemen in dieser Serie sind natürlich zum einen die Irrungen und Wirrungen, die in eine Familie jeden Tag passieren und diese überspitzt und ironisch darzustellen. Zum anderen geht es jedoch darum, die Verbindung aufzuzeigen, die zwischen den Medien und der Politik bestehen und wie es so immer wieder gelingt, den gutgläubigen Bürger zu manipulieren. Hier stehen vor allem Wahlkämpfe im Vordergrund. Diese Serie weist auch immer wieder kritisch auf die Rolle der Medien in einer repräsentativen Demokratie hin.

Beispiel zur Einbindung in den Unterricht

Ohne Frage eignet sich nicht jede Folge dieser Serie für die politische Bildung, weil sie in der amerikanischen Gesellschaft spielt und daher bestimmte Sachverhalte nicht in die unsere übertragen werden können. Im Zuge der zunehmenden Amerikanisierung, gerade im Verhältnis Medien und Politik, scheinen einige Folgen geradezu prädestiniert zu sein bearbeitet zu werden.
Eine Folge wäre hierfür die Bürgermeisterwahl in der Kleinstadt Springfield. Der amtierende Bürgermeister Quimby muss dich den Gegner stellen, die aus allen Teilen der Gesellschaft kommen. Zum einen Krusty (ein alternder TV-Clown), Tingeltangel-Bob (ein Strafgefangener) und Mr. Burns (geldgieriger Unternehmer). In diesem Wahlkampf wird nun alles hinter den Kulissen gezeigt, was auch in jedem normalen Wahlkampf stattfindet, was wir als Wähler nur oft durch die Mitarbeit der Medien nicht so wahrnehmen.

Angesprochenen Bereiche:
- der amtierende Bürgermeister benennt eine Schnellstraße nach einem Fernsehstar, nur um dessen Gunst zu bekommen
- die Gegner werden immer nur in tollen und gestellten Homestorys gezeigt, so dass niemand die politischen Inhalte dieser Personen sieht
- eine große Rolle spielt hier das negative campaining, in dem Krusty bereits vor der Wahl als der neue Congressman im TV vermarktet wird und sein Gegner als das personifizierte Böse
- die beiden Geschwister Bart und Lisa betreiben Wahlkampf für den amtierenden Bürgermeister, der aufgrund von einem niedrigen Budget nicht anläuft
- natürlich kommt es auch zum klassischen amerikanischen TV-Duell

Nutzung im Unterricht:
- Einsatz als Ausgangspunkt um den Einfluss von Massenmedien und Politik zu demonstrieren
- Die Szene kommentieren und hinterfragen: Was ist echt, was gibt es auch in dieser Form bei uns in den Wahlkämpfen?
- Als eine Art Projekttag könnte man dies nutzen um einen eigenen Wahlkampf für den amtierenden Bürgermeister Quimby oder einen seiner Gegner zu konzipieren oder als eine Art Rollenspiel kann man das TV-Duell nachspielen

Fazit:

Man hat mit den Simpsons also ein Material in der Hand, das mit wenig Aufwand gut in eine Seminar- oder Unterrichtseinheit einzubinden ist. Mit diesem Material können sich die Schüler oder auch die jungen Erwachsenen gut identifizieren, weil es etwas aus ihrer alltäglichen Welt ist, was sie nun einmal von einer neuen Seite erleben können und zusammen mit in einem Team an dieser Gemeinsamkeit arbeiten können. Sprich wir können sie wirklich da abholen, wo sie stehen.

Die Publikation "Civic Education with the Simpsons finden Sie hier.

Gelesen 2107 mal Letzte Ă„nderung am Mittwoch, 05 November 2014 19:50
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