Nachgefragt: Horst Thieme - der Slam-Master von Augsburg

Horst Thieme

Horst Thieme, der Organisator und Moderator des Poetry Slams „Lauschangriff" in Augsburg, wird auch in der Nacht der Demokratie als vielversprechenden kulturellen Programmpunkt einen poetry slam anbieten. Zuvor beantwortete er einige Fragen zu dem innovativen Format.

Was ist PoetrySlam?

Ein PoetrySlam ist ein Dichterwettstreit, ein literarischer Boxkampf. Bei dieser Form eines literarischen Wettbewerbs kämpfen Poeten um die Gunst des Publikums. Die wichtigsten Regeln sind: Es muss sich um einen selbstgeschriebenen Text handeln, der zeitlich eine Begrenzung hat (zum Beispiel 10 Minuten) und ohne Requisiten vorgetragen werden muss. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Ausschlaggebend ist dabei, dass der Textvortrag - im Gegensatz zur reinen Wasserglaslesung - durch performative Elemente und die bewusste Selbstinszenierung des Vortragenden ergänzt wird. Die Veranstaltungsform entstand 1986 in Chicago und verbreitete sich in den neunziger Jahren weltweit.

Der Augsburger Slam „Lauschangriff" wurde 1998 gegründet und findet seitdem monatlich statt. Ein Lauschangriff-Abend verläuft nach dem Motto „Alles ist möglich" – und genau das macht den Reiz aus. Vom Liebesgedicht über Freestyle Rap bis zu urlustiger Prosa, alles hat seine Berechtigung. Das Publikum entscheidet am Abend mit seinem Applaus und wählt den Slam Poeten des Monats.

Alle Informationen über den Augsburger Slam gibt es unter dessen Webpage unter http://www.slam-augsburg.de.

Deutschsprachige Slam-Community: http://www.myslam.net.

Was hat PoetrySlam mit Demokratie zu tun?

Dazu gibt es drei Antworten:

  • Slam ist eine partizipative Kulturform: Jeder darf und kann mitmachen – sei es als Poet oder als Zuschauer (oder sogar in beiden Rollen).
  • Nach jeder Runde findet eine Abstimmung statt, bei der entschieden wird, wie der Abend sich weiterentwickelt. Jeder Zuschauer ist dabei auf sich gestellt: Gefällt der Vortrag, will man davon mehr hören?
  • Sowohl in unserer Demokratie und dem PoetrySlam darf und kann man sich einmischen. Das macht beides doch auch Spaß.

Was passiert in der Nacht der Demokratie bei Ihrem Slam? Wie kann man sich als Bürger beteiligen?

Wir werden verschiedene Slammer aus ganz Deutschland einladen. Sie werden in den Workshop-Phasen des Abends, zu dem wir einen Slam organisieren, Texte bringen, die etwas mit Demokratie, Selbstbestimmung und Bürgerbeteiligung zu tun haben. Zusätzlich können auch regionale Slammer teilnehmen. Das ist ganz einfach: Entweder man meldet sich vorher bei mir über die Webpage www.slam-augsburg.de oder man trägt sich am Abend auf einer ausliegenden Poeten-Liste ein. Von dieser Liste werden dann die Teilnehmer gelost....

Auf dieser Webpage wird man übrigens wenige Wochen vor der Nacht der Demokratie auch die anreisenden Slammer erfahren können.

Was erhoffen Sie sich von der Nacht der Demokratie?

Interessante Vorträge und Gespräche. Und einen spannenden Slam mit engagierten Dichterinnen und Dichtern. Ganz klar, das ist mir auch wichtig!

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Theresa Zeller für das Netzwerk Politische Bildung Bayern.

Horst Thieme ist Organisator und Moderator des PoetrySlams „Lauschangriff" in Augsburg, der monatlich seit 1998 in der Kresslesmühle stattfindet. Zusätzlich leitet er das Kulturnetzwerk Augsburg (zuvor Augsburger Kulturstammtisch). Thieme ist Mitbegründer der Inititative für eine Neue Stadtbücherei in Augsburg. Er ist Kunstförderpreisträger der Stadt Augsburg und bekam dieses Jahr den Pop-Preis Roy als Programmmacher des Jahres verliehen.

Weitere Informationen zu Horst Thieme finden Sie auf seiner Homepage: http://www.e-thieme.de