Dienstag, 06 Mai 2008 00:00

Rund 100 Teilnehmer/innen beim ersten Vernetzungsforum Politische Bildung in Nürnberg

geschrieben von  Projektteam
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Unter der Beteiligung von rund 100 Multiplikator/innen hat am 23. April 2008 im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg das erste Vernetzungsforum Politische Bildung Bayern stattgefunden. Eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Entscheidungsträger aus Schulen, Jugendverbänden, Gedenkstätten, Erwachsenenbildung, Politik und Universitäten kamen zusammen; über 20 aktuelle und zukunftsweisende Projekte politischer Bildung wurden auf einem Projektmarkt vorgestellt.
Unter dem Motto voneinander lernen - miteinander gestalten - gemeinsam umsetzen begann damit nach einer bayernweiten Erhebung und der virtuellen Vernetzung eine neue Phase des Netzwerkes Politische Bildung Bayern.

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit vom Projektteam des Netzwerkes geplant und durchgeführt. Projektleiter Dr. Christian Boeser von der Universität Augsburg und Florian Wenzel von der Akademie Führung & Kompetenz am CAP München moderierten den Tag.

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das Motto des ersten Netzwerkforums

Zu Beginn stellte Martina Christmeier vom Dokumentationszentrum Nürnberg die kritische Auseinandersetzung mit Geschichte in Hinblick auf politische Bildung vor, die bereits in der architektonischen (Neu)Gestaltung des Dokumentationszentrums als Seminarort sichtbar ist und in seiner programmatischen Kombination von historischer Bildung und Demokratie-Lernen umgesetzt wird. Das Dokumentationszentrum selbst ist in seiner Arbeitsweise auf Vernetzung hin ausgelegt und arbeitet mit zahlreichen lokalen und regionalen Partnern zusammen. Bernd Sibler, Staatssekretär beim Staatsministerium für Unterricht und Kultus, betonte in seinem Impuls die Chance, mit institutionenübergreifender Vernetzung gezielter an innovativen und zielgruppenspezifischen Projekten politischer Bildung zu arbeiten und so gerade junge Menschen neu für politische Themen zu begeistern. Es sei auch das politische Interesse, mit der Vernetzungsinitiative durch die Bündelung von Kräften und das Lernen von guten Beispielen politische Bildung voran zu bringen.

„Kräfte bündeln, aus guten Beispielen lernen – das sind unsere großen Chancen, die politische Bildung voranzubringen"
Staatssekretär Bernd Sibler

Dr. Claudia Fahrenwald von der Universität Augsburg unterstrich die Notwendigkeit, die Vernetzung politischer Bildung selbst demokratisch zu gestalten. Sie stellte den Ansatz einer community of practice vor, der Aspekte des sozialen Austauschs und der gemeinschaftlichen Kommunikation als zentral für die Entwicklung von innovativen Praxisprojekten ansieht.

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Martina Christmeier, Bernd Sibler, Claudia Fahrenwald

An diese Aspekte knüpften die anschließenden wertschätzenden Interviews unter den Teilnehmenden über eigene Motivationen und Visionen zu politischer Bildung in Bayern an. In einem institutionenübergreifenden Austausch wurden dabei neue Kontakte geknüpft und gemeinsame Ressourcen gesammelt, die exemplarisch im Plenum präsentiert wurden. Dabei wurde deutlich, dass es nicht an Potential und Innovation politischer Bildung in Bayern mangelt, sondern an fehlenden direkten und persönlichen Interaktionsstrukturen, die Projektideen auch in die Praxisumsetzung bringen.

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Stellwand mit Themen und Projekten des Open Space

Der Austausch bildete eine Basis für einen Open Space in dem Themen und Projekte konkretisiert wurden. „Miteinander gestalten und gemeinsam umsetzen" wurden damit zentrale Elemente des Forums. Die Teilnehmenden benannten 14 für aktuelle politische Bildung relevante Themen und Projektideen. In selbstorganisierten Arbeitsgruppen wurden Fragestellungen konkretisiert, Ideen ausgetauscht und erste konkrete weitere Arbeitsschritte vereinbart.

Die Koordinationsstelle des Netzwerks wird die entstehenden Praxisprojekte gezielt begleiten und weiter unterstützen. Daneben werden Weiterbildungsmodule zu als wichtig identifizierten Themen und Methoden politischer Bildung über das Netzwerk angeboten. Über die Internetseite www.politische-bildung-bayern.net können Projekte und Referent/innen recherchiert und eigene Projektideen beigesteuert sowie Unterstützung angefordert werden.

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zwei der Open Space Arbeitsgruppen

Ergänzt wurden der Austausch und die Konkretion von Projektideen der Teilnehmenden durch die Präsentation von ausgewählten laufenden Projekten politischer Bildung sowie einen umfassenden Projektmarkt: Werner Karg von der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit präsentierte das Projekt 11Tausend des Stadtjugendrings Augsburg, das mit einem sehr unkonventionellen Ansatz und einer Wahlwette zahlreiche Jungwähler in Augsburg im Vorfeld der Kommunalwahl mobilisieren konnte. Es zeigte beispielhaft auf, wie gerade Jugendliche durch einen gezielt un-politischen Einstieg schrittweise für ihre eigenen Belange und weiter gehend allgemeine politische Themen begeistert werden können.

Simone Richter von der Projektstelle gegen Rechtsextremismus und Monika Franz von der Landeszentrale stellten das geplante „Serviceforum gegen Rechtsextremismus" vor, welches bayernweit Materialien bereitstellen und Institutionen sowie Referent/innen in diesem Themenfeld vernetzen soll. Ab Juni 2008 wird eine entsprechende Internetseite freigeschaltet. Die Initiatorinnen luden alle Beteiligten ein, an der Planung und Fortentwicklung mitzuwirken (http://www.bayerisches-buendnis-fuer-toleranz.de)

Mit einem Blick über den Tellerrand stellte DI Alexander Banfield-Mumb vom Demokratiezentrum Wien die neue Demokratie-Initiative Österreichs, die sich nach der generellen Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre mit sehr unkonventionellen Ansätzen präsentiert. Unter anderem wird mit polipedia.at ein internetbasiertes multimediales Lehrbuch in Zusammenarbeit mit Jugendlichen entwickelt, welches zu den Themen Demokratie, Politik und Partizipation aktuelle jugendgerechte Zugänge wie Wikis, Blogs, Foren, Videoclips etc. verwendet.

Statt einer klassischen Mittagspause luden die Veranstalter zum „Projektbrunch", bei dem die Gelegenheit bestand, mit 21 Projekten politischer Bildung und deren Initiator/innen ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig wurde dargestellt, wie die Vernetzung politischer Bildung modellhaft in Bayerisch Schwaben begonnen hatte und welche Netzwerkinitiativen und Praxisbausteine daraus bereits entwickelt wurden.

Zum Abschluss des ersten Vernetzungsforums betonte Monika Franz als Vertreterin des Projektpartners das Signal des Aufbruchs einer neuen Art der Vernetzung politischer Bildung in Bayern, nicht zuletzt durch das gelungene Tagungsformat und die große aktive Beteiligung der Teilnehmenden. Sie lud zum zweiten Netzwerkforum ein, das vom 31. März - 1. April 2009 in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie in Tutzing am Starnberger See stattfinden wird.

Download:

pdf icon Einladungsflyer pdf (500.08 Kb)
pdf icon Programm und Projekte (97.63 Kb)

Weitere Beiträge:

Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus

Gelesen 1778 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 14:42
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