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Donnerstag, 01 Juli 2010 00:00

Open WriTable – das etwas andere Diskussionsprotokoll im Einsatz beim Netzwerkforum 2010

geschrieben von  Christian Fey & Kathrin Steger
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OpenWritable-Phase auf dem 3. Netzwerkforum

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Foto: Doerte Winter

Ein Schwerpunkt des dritten Netzwerkforums waren die themenbezogenen Kleingruppendiskussionen, die diesmal in Form des Open WriTable abgehalten wurden.

Diese Methode, die zum ersten Mal überhaupt zum Einsatz kam und viel positives Feedback erhalten hat, adaptiert bewährte Prinzipien der Großgruppenmethode Open Space und versucht sie durch eine Verschmelzung mit der Methode des Schreibgesprächs an die Bedürfnisse des Netzwerkforums 2010 anzupassen. Kurz gefasst: es werden vorgeschlagene Themen in Kleingruppen diskutiert und die Teilnehmer dieser Kleingruppen haben dabei die Möglichkeit ihre Diskussion direkt auf der Tischdecke zu „protokollieren" und zu visualisieren.

 

Chancen dieser Methode im Vergleich zum Open Space sind:

  • Der interpretative Akt des Protokollschreibens durch eine Einzelperson wird reduziert, weil die Gruppe gemeinsam, beziehungsweise jeder Teilnehmer der Gruppe, die Möglichkeit hat etwas zu notieren.
  • Für den Initiator, der nun nicht mehr die alleinige Verantwortung für die Erstellung des Protokolls hat, besteht die Möglichkeit ebenfalls den Platz zu wechseln sobald die Diskussion angelaufen ist.
  • Das Medium „Tischdecke" bietet die Möglichkeit über das reine „Schreiben" hinauszugehen. Es können beispielsweise durch Symbole oder Pfeile Inhalte verdeutlicht oder Bezüge klargemacht werden.
  • Die Methode erhöht Nachvollziehbarkeit für diejenigen, die nicht an der Kleingruppe teilgenommen haben
  • Außerdem ist das Tischdecken-Protokoll mit Beendigung der Diskussion nicht zwangsläufig abgeschlossen. Durch eine Kommentierungsphase kann der Austausch noch weiter gehen.

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Eine OpenWritable-Gruppe bei der Arbeit


Überblick über die in den OpenWritable-Gruppen diskutierten Inhalte:

Themen der OpenWritable-Phase beim diesjährigen Netzwerkforum:

  • Chancen und Grenzen des Web 2.0.
  • Demokratie braucht PR!
  • Demokratische Schule
  • Unterschiedlichkeit politischer Bildung: Konkurrenz - Synergie?
  • Finanzierung
  • Dialogformen zwischen Politikern und Politischen Bildnern
  • Im Web 2.0.: Brauchts uns überhaupt
  • Entscheidungsprozesse im Web 2.0.
  • Was muss man/ frau wissen?

Chancen und Grenzen des Web 2.0.
Diese Arbeitsgruppe hat sich sehr offen an das Thema Web 2.0. herangewagt. Es wurden dabei ganz verschiedene Bereiche diskutiert. Die zentrale Frage war aber letztendlich: Muss die politische Bildung einen Platz zwischen der realen und der virtuellen Welt einnehmen, oder soll sie sich sogar in die virtuelle Lebenswelt der User integrieren?

Diese Frage wurde auf verschiedenen Ebenen diskutiert:

1) Der Transfer der virtuellen Lebenswelt in die Realität wurde am Beispiel Edutainement, Geocaching und Educaching behandelt

2) Eine skeptische Haltung wurde im Rahmen einer „Flucht aus der Realität"-Diskussion zum Ausdruck gebracht

3) Betont wurde aber auch die Notwendigkeit einer grundsätzlich auch wertschätzenden Haltung gegenüber dem Web 2.0., denn durch eine ablehnende Haltung bekomme man keine Akzeptanz

Neben dieser Hauptdiskussion wurde das Bewusstsein für Datenschutz und Nutzungsbedingungen, z.B. auf Facebook, angesprochen. Außerdem wurde eine neue, positiv bewertete Form der Wissensbeschaffung festgestellt: Fragen werden sobald sie auftauchen von den Nutzern gerne online recherchiert. Dabei sollte man die Bedeutung von Twitter oder anderen Livestream-Medien nicht unterschätzen.

Demokratie braucht PR

„... weil niemand als Demokrat geboren wird" (Zitat Tischdecke)

Generell hat diese Gruppe ebenfalls relativ breit diskutiert und sich zunächst einmal die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen PR und Marketing ist. Bei der PR gehe es hauptsächlich um die Außendarstellung und die Generierung eines Leitbildes.

Ziel: In einem Leitbild der Demokratie müsste Transparenz, Glaubwürdigkeit, Wertschätzung etc. besonders hervorgehoben werden, damit eine gute Außenwirkung erreicht werden kann.

Aufgabe: Demokratische Prinzipien müssten in der Alltagswirklichkeit der Menschen eingebracht werden um Wertschätzung und Selbstwirksamkeit zu erreichen. Um Transparenz zu gewährleisten müssten Mitbestimmungsmöglichkeiten begreifbarer gemacht werden.

Demokratische Schule

Diese Gruppe beschäftigte sich mit dem praxisnahen Beispiel der „demokratischen Schule" und Formen, wie die Schule zumindest teilweise demokratischer werden kann.

Theoretisch ging es dabei darum, demokratische Prinzipien und Entscheidungsprozesse in die Schule zu tragen und diese damit zu vermitteln und zu erlernen.

Das Hauptaugenmerk dieser Gruppe lag jedoch auf der praktischen Umsetzung: Als Grundsatz für die Umsetzung wurde hauptsächlich die „Graswurzelrevolution" diskutiert: „Es fängt im Kleinen an, wobei im Großen der Rahmen geschaffen werden muss." (Zitat Tischdecke)

Eine demokratischere Schule würde sich langfristig eventuell auch auf Mitbestimmungsforderungen an der Universität oder am Arbeitsplatz auswirken.

Als konkrete Ansätze wurden das Schulparlament, die Schulverfassung oder der Klassenrat behandelt, bei dem die Schüler ohne den Lehrer verschiedene Themen diskutieren und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen.

In der Phase der Kommentierung wurden noch einige konstruktive Beispiele, die sich auf die Weiterbildung von Lehrern in diesem Bereich beziehen, notiert:

  • Der M.A.-Studiengang „Demokratiepädagogische Schulentwicklung" an der FU Berlin
  • Programme wie Betzavta, Eine Welt der Vielfalt, Achtung (+) Toleranz (Informationen dazu beim CAP, CoActive oder der DeGeDe)

Unterschiedlichkeit politischer Bildung: Konkurrenz - Synergie?

Motto: „Konkurrenz entsteht von alleine, für Synergie muss man was tun"

In dieser Gruppe wurden verschiedene Aspekte behandelt:

  1. Im Bezug auf die finanzielle Knappheit wurde diskutiert, was politische Bildung ist, also wo sie anfängt und wo sie aufhört. Ergebnis: Sozialkompetenzen sind die Basis auf der politische Bildung aufbauen muss. Eine Trennung ist daher nicht sinnvoll.
  2. Ein weiteres Thema war die Beteiligung im Internet: Entsteht da eine Parallelwelt und was würde das heißen?
  3. Sinnvolle Wege, die Synergie zu stärken sind sicherlich Foren wie das Netzwerk für Politische Bildung Bayern sie jährlich veranstaltet. Allerdings sollte auch das Netzwerkforum seinen Mehrwert besser hervorheben um damit mehr Menschen zu erreichen.
  4. Der Pluralismus als Zeichen der Demokratie wurde als wünschenswertes Phänomen angesehen.

Finanzierung

Die Mitglieder dieser Gruppe stellten fest, dass sie ganz unterschiedliche Erwartungen und Herausforderungen zu diesem Thema mitbrachten.

Projekte mit festen Trägern stellen sich eher die Frage, wie sie ihr Geld effizient ausgeben; kleine Projekte haben eher Interesse zu erfahren wie sie an finanzielle Mittel und Unterstützung kommen können. Es zeigte sich, dass gerade das Thema Finanzierung in der jüngeren Zeit an Bedeutung, aber auch an Komplexität enorm zugenommen hat.

tischdecke

Ein Tischprotokoll entsteht...


Im Web 2.0.: Brauchts uns überhaupt?

Zitat vom Tischprotokoll: „Das Web 2.0. braucht uns nicht, aber wir brauchen das Web 2.0.!"

Bei dieser Fragestellung war zunächst relevant zu klären wie das Verständnis von politischer Bildung ist: Demnach geht es bei der politischen Bildung um Wissensvermittlung und um das Schaffen von Rahmenbedingungen. Für die Wissensvermittlung braucht das Web 2.0. die politische Bildung nicht, aber um gewisse Rahmen zu schaffen und Prozesse anzustoßen wohl schon.

Eine weitere Fragestellung die diskutiert wurde, befasste sich mit der regulatorischen Funktion von politischer Bildung und inwieweit so etwas überhaupt sinnvoll ist.

Auf der Metaebene wurde das Themenfeld „Medienkompetenz vermitteln" behandelt.

Als Tipp wurde hier eine Veranstaltung der Petra-Kelly-Stiftung zum Thema „Das Web 2.0. und seine Folgen" genannt.

Dialogformen zwischen Politikern und Politischen Bildnern

Wie könnte ein Dialog zwischen bayerischen Politikern und politischer Bildung in Bayern gestaltet werden?

Motto: Was erwartet die Politik von der politischen Bildung und umgekehrt?

Ziele:

  1. Erhöhung der Empathiefähigkeit (auf beiden Seiten)
  2. Gemeinsam besprechen, wie man Politik vermitteln und wie man sich das Leben gegenseitig leichter machen kann.

Umsetzung: Es muss einen konkreten Gesprächsanlass geben.

Idee: Das Jugendprogramm soll neu aufgelegt werden und im Rahmen dessen soll der Dialog mit Politikern gesucht werden. Dazu sollen politische Stiftungen und bildungspolitische Sprecher der Parteien eingeladen werden.

à die Teilnehmer der Gruppe bilden eine AG und versuchen die Thematik so weiter zu verfolgen.

à die weitere Entwicklung, bzw. die mögliche Einladung zu einer Veranstaltung wird auf der Netzwerk-Homepage veröffentlicht.

Entscheidungsprozesse im Web 2.0

Zu Beginn hat sich diese Gruppe die Frage gestellt, was für Plattformen es im Internet gibt, bei denen im Web Entscheidungen gefällt werden.

Im Zuge dessen ist aufgefallen, dass die Unterschiede zwischen virtueller und realer Welt nicht sehr groß sind; es wird nur mit anderen Instrumenten gearbeitet. Entscheidungsprozesse im Internet sind außerdem Basisgestalteter und Hierarchien werden aufgeweicht. Es gibt zwar immer noch Administratoren, die mehr „Macht" haben, aber dennoch kann sich ja jeder beteiligen und mitgestalten.

Weiter wurde die Frage diskutiert, ob das Web 2.0. Menschen ausgrenzt. Die Antwort dazu heißt klar „ja". Aber die Frage ist eben auch, ob die Ausgrenzung in der realen Welt nicht noch höher liegt. Wenn eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem PC stattfindet, sind die Hemmschwellen einer Partizipation im Internet eher gering. Dadurch ist eine aktive Mitgestaltung wahrscheinlicher.

Was muss man/frau wissen?

In dieser Gruppe wurde festgestellt, dass man zunächst einmal eine Unterscheidung zwischen Wissen und Urteilen/Denken machen muss. Es müssten insgesamt beim Diskurs um Wissen neue Schwerpunkte gesetzt werden. Beispielsweise sind Kompetenzen und Haltungen wichtiger einzuschätzen als blankes Wissen. Daher muss auch die Schule mehr bzw. verstärkt Urteilskompetenzen vermitteln.

Als Problem wurde in der Gruppe wahrgenommen, dass Wissen zu aktuellen Themen der politischen Bildung, dass auch seinen Platz hat, oft nur eine geringe Rolle in schulischen Vermittlungsprozessen spielt.

forum 2010 owdecke schule
eines der Tischprotokolle mit Kommentaren (grün)

Zur Methode des Open WriTable haben sich in Ihren Blogs Guido Brombach, Bildungsreferent im DGB Bildungwerk Hattingen sowie Thomas Bernhardt, der beim Forum 2010 auch als Referent vertreten war, geäußert.

Dotcom-Blog von Guido Brombach

Blog von Thomas Bernhardt: E-Learing 2.0

Wir freuen uns, über Rückmeldungen, Berichten und Reflexionen zur Methode oder zum Netzwerkforum 2010:

Gerne verlinken wir auch auf Ihren Blog.

Gelesen 1413 mal Letzte Änderung am Sonntag, 14 Dezember 2014 16:24
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