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Unter dem Leitbegriff der
"Lebenskompetenzförderungen" (engl. „life skills") sind in Deutschland in den
letzten Jahren eine Reihe von Programmen und Initiativen entstanden, viele
davon im Bereich der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Das Konzept Lebenskompetenz umfasst jedoch mehr
als eine rein gesundheitspräventive Bedeutungsebene und in
diesem „Mehr" entfaltet es dann auch seine Relevanz für die politische Bildung.
Ein Projekt bayerischen Ursprungs, dass sich seiner Entstehung und Zielrichtung
nach dem Leitbegriff der „Lebenskompetenzförderung verschreibt" ist FREUNDE, ein Präventionsangebot für
Kindertagesstätten, das im letzten Jahr mit dem 1. Preis für
Gesundheitsförderung und Prävention der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern
und des bayerischen Gesundheitsministeriums ausgezeichnet wurde.
Unter dem Leitbegriff der
"Lebenskompetenzförderungen" (engl. „life skills") sind in Deutschland in den
letzten Jahren eine Reihe von Programmen und Initiativen entstanden, viele
davon im Bereich der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auf der
Agenda standen hier beispielsweise Themen wie die Förderung
gesundheitsförderlicher Lebensweisen und beruflicher Kompetenzen sowie die
Prävention von Sucht, Aggressions- und Gewaltproblematiken. Das Konzept
Lebenskompetenz umfasst jedoch mehr als eine rein gesundheitspräventive
Bedeutungsebene (vgl. hierzu beispielhaft die Interpretation
der UNESCO, die den Begriff von seiner allgemeinen Bedeutung für die
Entwicklung der Persönlichkeit im Prozess lebenslangen Lernens versteht) und in
diesem „Mehr" entfaltet es dann auch seine Relevanz für die politische Bildung.
Ein Projekt bayerischen Ursprungs, dass sich seiner Entstehung und Zielrichtung
nach dem Leitbegriff der „Lebenskompetenzförderung verschreibt" ist FREUNDE, ein Präventionsangebot für
Kindertagesstätten, dass im letzten Jahr mit dem 1. Preis für
Gesundheitsförderung und Prävention der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern
und des bayerischen Gesundheitsministeriums ausgezeichnet wurde.
Das Projekt entstammt einer Initiative rotarischer Clubs im Chiemgau/Bayern und
zielte zunächst vor allem darauf ab, Sucht- und Gewaltprävention endlich auch
in den Bereich der frühkindlichen Erziehung, d.h. vor allem in die
Kindergärten, zu integrieren. Dass es nötig ist, dafür auch pädagogisches
Fachpersonal in diesen Einrichtungen zu sensibilisieren, zu fördern und zu
schulen, und außerdem nach Möglichkeit auch die Eltern der Kinder in das
Vorhaben zu integrieren, war den Initiatoren von Anfang an bewusst. Daher ist
FREUNDE als Fortbildungsprogramm für pädagogisches Fachpersonal in
Kindertageseinrichtungen konzipiert und bietet darüber hinaus auch eine Ausbildung
zur/zum FREUNDE-TrainerIn an, die sich vor allem an Fachkräfte aus
Jugendämtern, Gesundheitsämtern und Beratungsstellen und Fortbildungsinstituten
freier Träger, ebenso wie an Fachberatungen für Kindertageseinrichtungen
richtet. Die inhaltliche Konzeption von FREUNDE wird dabei von einem Fachbeirat
unterstützt, der die Qualität des Programms fördern und sicherstellen soll.
Das Programm von FREUNDE
FREUNDE schließt sich an die Definition der WHO zum Begriff der Lebenskompetenz
an. Demnach sei „lebenskompetent" wer sich selbst kennt und mag, empathisch
ist, kritisch und kreativ denkt, kommunizieren und Beziehungen führen kann, durchdachte
Entscheidungen trifft, erfolgreich Probleme löst und Gefühle und Stress
bewältigen kann.
Um entsprechend dieses Verständnisses Angebote zur Förderung von Kindern zu
machen, haben die Träger von FREUNDE sechs pädagogische
Vorhaben definiert, die quasi einzeln oder zusammen die Bausteine der
Umsetzung in einer konkreten Einrichtung darstellen. Von diesen Vorhaben
besitzen insbesondere zwei Relevanz unter Gesichtspunkten der politischen
Bildung, nämlich einerseits das Vorhaben, dass sich mit dem Thema
Mitspracherechte und Beteiligung von Kindern im Kindergarten befasst, und andererseits
das Vorhaben, das sich mit der systematischen Bearbeitung und Lösung von
Konflikten befasst - sie werden im Folgenden ausführlicher dargestellt. Auf die
besondere Stellung des pädagogischen Vorhabens „Kinder reden mit" im
Gesamtkonzept weisen die FREUNDE-Verantwortlichen ausdrücklich hin. Bewusst die
Kinder aktiv in Entscheidungsprozesse der Einrichtungen einzubeziehen fördere
in besonderer Weise und auch nachhaltig die Eigenaktivität der Kinder.
Hier die pädagogischen Vorhaben im Überblick...
FREUNDE - Pädagogische Vorhaben
Element 1: „Mit viel Gefühl"
Umgesetzt durch: eine Projekteinheit zum Thema „Gefühle"
Ziele u.a.: Förderung der emotionalen Kompetenz, eigene und die Gefühle anderer
(Empathie) wahrnehmen und mit ihnen umgehen, mit Wut und Stress umgehen
Element 2: „Kinder reden mit"
Umgesetzt durch: eine Kinderkonferenz
Ziele u.a.: Selbstvertrauen stärken, Sozialkompetenz und
Kommunikationsfähigkeit fördern, Verantwortungsübernahme
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Textbaustein: Ablauf einer Kinderkonferenz bei FREUNDE
Bei einer Kinderkonferenz handelt es sich um eine spezielle Form der
Mitbestimmung. Die Kinder versammeln sich regelmäßig an einem
festgelegten Tag.
Die Verhaltensregeln für den Ablauf der Kinderkonferenz werden
gemeinsam mit den Kindern festgelegt (z.B.
kann das sein „aussprechen lassen", „zuhören", „ernst nehmen", etc.). Im
Verlauf der Kinderkonferenz werden dann Themen besprochen, die die
Kinder und
die Erzieherinnen beschäftigen. Das können ganz einfache Dinge sein, wie
die
Gestaltung der Turmstunden, Neuanschaffungen für den Kindergarten,
Ausflugsziele aber auch Konflikte in der Gruppe. Nachdem alle die
Gelegenheit
hatten sich zu äußern, wird in der Regel nach demokratischen
Gesichtspunkten über
Lösungen und Entscheidungen abgestimmt. Methodisch wird das
Beispielsweise so
gelöst, dass die Kinder sich auf entsprechende Plakate stellen, oder auf
ihnen
Steine anhäufen können, um so ihre persönliche Wahl zu treffen und
gleichzeitig
auch eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen.
Aber nicht allein die regelmäßige Durchführung einer Kinderkonferenz ist
von
Bedeutung. Genauso wichtig oder vielleicht sogar noch wichtiger ist,
dass das
pädagogische Personal reflektiert, was
Partizipation von Kindern in ihrer Einrichtung für eine Rolle spielt und
auf
welche Weise sie dort verankert werden kann - dafür ist vor allem eine
innere
Haltung dem Kind gegenüber nötig, die dessen Kompetenz zur Mitbestimmung
auch
wahrnimmt und ihm zugesteht. Das Team muss sich auf dieser Grundlage
entscheiden,
inwieweit und wo sie die Kinder mitbestimmen lassen wollen und wo nicht.
Welche
Form der Mitbestimmung dann letztendlich gewählt wird, ist zweitrangig.
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Element 3: „Selber-mach-Tag"
Umgesetzt durch: Entwickeln eigener Ideen zur Gestaltung des Tages durch
die Kinder einmal wöchentlich (sonst benutztes Spielgerät steht nicht zur
Verfügung)
Ziele des Vorhabens u.a.: Fördern der
Sozialkompetenz, der Kreativität, Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Lösungen
suchen
Element 4: „Gute FREUNDE Spiel"
Umgesetzt durch: ein Spiel, bei dem Regeln und erwünschtes Verhalten
gemeinsam definiert werden
Ziele des Vorhabens u.a.: Förderung der Kooperationsbereitschaft,
Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen
Element 5: „Ein Platz zum Streiten"
Umgesetzt durch: Ein durch den/die ErzieherIn geleitetes und moderiertes
Konfliktgespräch an einem dafür definierten Ort im Gruppenraum. Dabei werden
die Kinder Schritt für Schritt durch die einzelnen Phasen der Konfliktlösung
geführt um eine für beide Parteien zufriedenstellende Lösung zu finden.
Ziele des Vorhabens: eigene Lösungen suchen und finden, Einüben konstruktiven
Konfliktverhaltens, Entwickeln einer gesunden Streitkultur
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Textbaustein: „Ein Platz zum Streiten". Eine Methode zur
Konfliktbewältigung
und -lösung von FREUNDE - nach FREUNDE-Handbuch
Für den Platz zum Streiten werden 130 x130 cm benötigt. Man
kann diesen
Platz entweder mit einem Seil markieren, eine Decke oder einen Teppich
in
dieser Größe auslegen. Nach dem Streit wird der Platz wieder frei
geräumt. So
kann überall in der Einrichtung gestritten werden und man ist unabhängig
von
z.B. laufenden Aktionen. Dies verdeutlicht den Kindern: Konflikte aber
auch deren
Lösung sind immer und überall möglich. Je nach Bedarf können sich die
Kinder in
eine ruhige Ecke zurückziehen oder auf Wunsch auch andere Kinder mit
einbeziehen, die als Helfer oder Beobachter lernen und zur Lösung des
Konflikts
durch eingebrachte Vorschläge beitragen können - unter der
Voraussetzung, dass
alle am Streit beteiligten Kinder damit einverstanden sind.
Schritt 1: Die Kinder setzen sich in
genügend großer Entfernung voneinander hin und beschreiben (ohne
Schimpfwörter
und Beleidigungen), was passiert ist. Jedes Kind darf aussprechen und
sagen,
was ihm wichtig ist. Die Erzieherin kann unterstützend eingreifen durch
Wiederholen, Zusammenfassen und Benennen der wichtigsten Punkte.
Schritt 2: Die Kinder sprechen mit
Unterstützung der Erzieherin über ihre Gefühle Nach einiger Zeit, wenn
die
Kinder ihren eigenen Gefühlen genug Luft gemacht haben, kann die
Erzieherin
langsam den Kontakt zwischen den Konfliktparteien herstellen und das
Einfühlen
in den anderen fördern. „Kannst du dir vorstellen, wie es dem anderen
geht?".
Schritt 3: Wenn die Kinder
ausreichend über ihre Gefühle gesprochen haben, ändert sich meist
deutlich
spürbar die Stimmung. Die Erzieherin merkt, dass die Kinder bereit sind,
gemeinsam
nach einer Lösung zu suchen und fragt die Kinder, ob sie schon eine Idee
für
eine Lösung haben. Die Erzieherin fordert nun auch die anderen Kinder
auf,
Wünsche und Vorschläge für eine Lösung zu machen. Die Erzieherin fasst
zusammen
und bespricht die Vorschläge. Gemeinsam wird geprüft, ob es Regeln gibt,
die
jetzt nützlich sein könnten. Die am Streit beteiligten Kinder können
zuhören
und möglicherweise Ideen für eine Lösung aus der Gruppe bekommen.
Schritt 4: Sie fragt dann die
beteiligten Kinder, welche Möglichkeit sie wählen möchten. Die
Erzieherin
bittet die Kinder eine Vereinbarung zu treffen. Sie fragt noch einmal
nach, ob
es so in Ordnung ist oder ob ein Kind noch ein Anliegen hat. Dabei
überprüft
sie, ob die Kinder entspannt wirken oder ob sie den Eindruck hat, dass
ein Kind
noch traurig, wütend, ratlos oder unsicher ist. Als Abschluss lobt die
Erzieherin die Kinder für ihre Bereitschaft den Konflikt zu lösen und
dass sie
eine so gute Lösung gefunden haben.
Schritt 5: Ein paar Stunden später
oder in den nächsten Tagen kann die Erzieherin nachfragen ob die
Vereinbarungen
geklappt haben. Oft ist es jedoch bereits schon offensichtlich, dass der
Streit
zur Zufriedenheit aller beigelegt ist.
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Element 6: „Inseln der Ruhe"
Umgesetzt durch: Ruhe-Rituale und Entspannungsübungen
Ziele des Vorhabens: Konstruktiver Umgang mit Stress, Förderung der
Körperwahrnehmung, Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse
Die sechs dargestellten Vorhaben sind
modular zu verstehen und können und sollen je nach Bedarf und Vorlieben von
einzelnen Einrichtungen gemäß den individuellen Kompetenzen der Fachkräfte umgesetzt
werden. Dabei wird besonderen Wert auf langfristige Zusammenarbeit mit den
Einrichtungen und deren Vernetzung untereinander gelegt - für diesen Zweck
werden im Halbjahresrhythmus sog. Zirkeltreffen initiiert, die dem Austausch
und der Reflexion des beteiligten Fachpersonals über ihre Arbeit dienen. Auch
regional verfügbare FREUNDE Präventionsfachkräfte leisten hierzu ihren Beitrag.
Auf Themengebiete wie die Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Eltern oder die
geschlechtersensible Prävention wird in speziell dafür angebotenen
Aufbauseminaren eingegangen.
FREUNDE zeigt, dass es möglich ist, für die ganz jungen Zielgruppen Programme
zu konzipieren, die die soziale, kognitive und emotionale Entwicklung von
Kindern günstig beeinflussen können. Dass hierin auch eine Chance (vielleicht
sogar auch eine Notwendigkeit?) für die positive Beeinflussung von Kompetenzen,
Einstellungen und Überzeugungen liegt, die für die Praxis der politischen
Bildung relevant sind, darauf bauen ähnlich gelagerte Projekte wie
beispielsweise das bei uns bereits vorgestellte Projekt „Die
Kinderstube der Demokratie" aus Schleswig-Holstein.
Wer sich für FREUNDE interessiert, es in seiner eigenen Einrichtung umsetzen
möchte oder sich als Freunde-Trainer ausbilden lassen möchte, findet alle
nötigen Informationen auf der Projekthomepage.
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