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Der Generationenvertrag auf dem Prüfstand. Ein Planspiel (Dickmann, Weishaupt, Wuldsdorf, 2010)
Geschrieben von: Christian Fey   
Samstag, den 01. Januar 2011 um 02:00 Uhr
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Planspiele in der politischen Bildung erfreuen sich zwar grundsätzlicher Beliebtheit und sind methodisch allgemein akzeptiert und wertgeschätzt, trotzdem gibt es aber insbesondere im Kontext schulischer politischer Bildung Faktoren, die ihren häufigeren Einsatz verhindern. Dazu gehören sicher der gefühlt höhere Aufwand im Vergleich zum Regelunterricht sowie zeitliche und methodische Unsicherheiten und Unkalkulierbarkeiten. Vorgefertigte Materialien erweisen hier ihren Nutzen, indem sie helfen, solche Hindernisse abzubauen da sie Schritt für Schritt konkrete Orientierungs- und Durchführungshilfen anbieten - das gilt umso mehr, je stärker diese Materialien bereits praxiserprobt sind. Das Planspiel "Der Generationenvetrag auf dem Prüfstand" der Autoren Ulrich Dickmann, Christoph Weishaupt und Helge Wuldsorf entspricht diesen Kriterien. Es wurde sowohl in der schulischen als auch in der außerschulischen politischen Bildung eingesetzt und entstammt der Feder dreier Autoren, die unterschiedliche Handlungs- und Erfahrungskontexte einbringen.

 

Warum dieses Thema?

Angesichts der aktuellen Problemlage, die sich aus der demografischen Entwicklung, der Krise der sozialen Sicherungssysteme und den drängenden ökologischen Fragen ergibt, möchten die Autoren den (ungeschriebenen) Vertrag zwischen den Generationen, der den deutschen Sozialstaat bisher geprägt hat, auf den Prüfstand heben. Dies tun sie unter dem Eindruck besonderer Dringlichkeit, denn ihre These lautet: "Die Generationenfrage ist, so lässt sich die derzeitige Gesellschaftssituation auf den Punkt bringen, eines der Zukunftsthemen schlechthin. Sie wird die Politik des 21. Jahrhunderts wesentlich bestimmen und Auslöser gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse sein". Das Planspiel "Der Generationenvertrag auf dem Prüfstand", möchte mit ebensolcher Dringlichkeit die Dynamik des gesellschaftlichen Gestaltungsprozesses um das Verhältnis der Generationen zueinander erlebbar machen, und zur eigenen Positionierung auf Seiten der Teilnehmer führen.

Dabei wird auch die Gültigkeit des Generationenvertrags selbst offen zur Diskussion gestellt. Pointiert wird hinterfragt: "Ist der von Vielen immer noch als selbstverständlich vorausgesetzte Generationenvertrag nicht längst btüchig und zum Spielball politischer Machtinteressen geworden?"

Die Methode "Planspiel"

Die Autoren widmen dem "Planspiel" als Methode der Bildungsarbeit ein eigenes kurzes Kapitel, indem sie die wesentlichen Charakteristika und Vorteile eines Planspiels erläutern. Sie betrachten Planspiele als "vereinachte Modelle der Wirklichkeit", die auf der einen Seite die Kompelxität eines Themas im Blick auf seine gesellschaftliche Dynamik reduzieren, dabei aber immer noch vielschichtig genug sind und ein hohes Maß an Diversität aufweisen. Planspiele erweisen sich daher als "realitätsnahe Simulationen", die durch ihren Experimentalcharakter und die potentiell hohe emotionale Eingebundenheit der Teilnehmer vielfältige Lernchancen eröffnen und die Möglichkeit eines "mehrdimensionalen Kompetenzerwerbs" bieten.

Inhalt und Verlauf

Das Planspiel "Der Generationenvertrag auf dem Prüfstand" ist in grundsätzlich zwei große Phasen unterteilt, die wiederum zielführend in aufeinander aufbauende Einzelteile gegliedert sind. Es ist für Gruppengrößen von 15 bis 27 Teilnehmern ausgelgt und spricht als Zielgruppe hauptsächlich SchülerInnen, Studierende und junge Erwachsene an. Im narrativen Setting finden sich die Teilnehmer in drei Gruppen wieder, die den Generationen einer Gesellschaft enstprechen (bis 30 Jahre, 30 bis 60 Jahre und über 60 Jahre). Jeder Teilnehmer vertritt dabei eine bestimmte Rolle, d.h. eine Person, deren Eckdaten durch Info-Karten zugeteilt werden. In der "Konfliktphase" sehen sich die einzelnen Gruppen als "Generationen-Kommission" mit der Aufgabe konfrontiert, ein Positionspapier zur Vorlage beim "Bundespräsidenten" zu erstellen. Dabei Übernehmen sie die Rolle von Lobbyisten der eigenen Generation. In der "Paktphase" sind die drei Gruppen als nun einander zugeordnete "Zukunftskommission" aufgefordert, Eckpunkte eines möglichen "Generationenvertrags" zu erarbeiten und der "Öffentlichkeit" vorzustellen. Die Teilnehmer erhalten ihre Aufgaben und sturkturierende Hilfestellungen durch fiktive "Pressemitteilungen" des Bundespräsidialamts. Sämtliche hierfür nötigen Materialien und Texte finden sich als Kopiervorlage bzw. auf CD-ROM (als .pdf) dem Werkbuch beigelegt. Auch verschiedene Möglichkeiten für den zeitlichen Ablauf werden dem Durchführenden in tabellarischer Form an die Hand gegeben (z.B. ist neben einer Durchführung im Block mit einer Dauer von eineinhalb Tagen auch möglich, das Planspiel in verschiedene Einheiten unterteilt auf zwei Unterrichtswochen mit einem vertretbaren zeitlichen Anteil außerhalb der normalen Unterrichtszeit verteilt durchzuführen). In einer abschließenden Reflexionsphase können die Ergebnisse und das Erleben der Teilnehmer thematisiert und in den Kontext der aktuellen gesellschaftlichen bzw. politischen Situation eingeordnet werden.

Fazit

Durch ein stimmiges Setting, eine durchdachte und erprobte Struktur und eine angemessen kompakte Präsentation, wissen die Autoren des Planspiels zu überzeugen und legen eine gute Grundlage, damit ihr Ziel in der Durchführung verwirklicht werden kann, das darin besteht, bei den Teilnehmern eigene Vorstellungen, Interessen und auch Forderungen zu entwickeln, die in zukünftige gesellschaftliche Gestaltungsprozesse konstruktiv eingebracht werden können. Positiv fallen auch die zusätzlich zum eigentlichen Planspiel zur Verfügung gestellten Materialien (Zeitungsartikel, Karrikaturen und Statistiken), die der Vor- und Nachbreitung dienen, ins Auge. Das Anspruchsniveau der Planspiels ist eher hoch, das formulieren auch die Autoren so. Vor allem wird ein relativ hohes Maß an Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit auf Seiten der Teilnehmer gefordert, was bei der Entscheidung für die Umsetzung des Planspiels berücksichtigt werden sollte.

 

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