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Das von Wolfgang Edelstein, Susanne Frank und Anne Sliwka
herausgegebene Praxisbuch zur Demokratiepädagogik ist ein Sammelband, das in
die Ergebnisse der Demokratiepädagogik einführt und Anregungen zu dessen
Umsetzung gibt. „Demokratiepädagogik umfasst pädagogische Bedingungen und
Aktivitäten zur Förderung von Kompetenzen, die Menschen benötigen, um an
Demokratie als Lebensform teilzuhaben und diese in Gemeinschaft mit anderen
aktiv zu gestalten; [...]" heißt es in der Einführung von Wolfgang Edelstein
(S. 9f). „Dabei geht es um den Erwerb von Kenntnissen über Demokratie,
den Erwerb von Kompetenzen für Demokratie und um Prozesse des Lernens durch
Demokratie im Kontext gemeinsamer Erfahrung demokratischer Verhältnisse"
(S. 10).
Nach weiteren
grundsätzlichen Überlegungen zu „Demokratie als Praxis und Demokratie als
Wert" stellen die Autorinnen und Autoren in sechs Bausteinen
Handlungsfelder dar, die zur demokratischen Schulentwicklung beitragen sollen.
Dabei werden die theoretischen Darstellungen durch insgesamt 80 Kopiervorlagen
ergänzt, die die Möglichkeit geben, die Anregungen in den eigenen Unterricht zu
übertragen. Ziel ist der Erwerb der Schülerinnen und Schüler eines
„demokratischen Habitus´", der über die Schule hinausgehen und Teil des
Sozialcharakters werden soll. Desweiteren soll die Verantwortungsbereitschaft,
das soziale Handeln und das zivilgesellschaftliche Engagement gefördert werden
- theoretisch.
Die sechs Bausteine für Unterrichtsgestaltung und
Schulalltag
Der erste Baustein
„Demokratische Schulgemeinschaft" thematisiert vorrangig die Leitgedanken
von „Just Community". Dabei werden verschiedene Formen des kooperativen
Lernens und andere Projekte vorgestellt. Weiterhin geht es in diesem Baustein
um den Klassenrat, dem sogenannten „Chefsystem" und um die
Dilemmadiskussion.
Der „Klassenrat" wird im gleichnamigen Baustein 2 aufgegriffen und
vertieft. Für die Autorin Birte Friedrichs ist der Klassenrat die gelebte
Demokratie und ermöglicht ein höchstmögliches Maß an Partizipation. Hier geht
es vor allem darum, Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit zu bieten,
regelmäßig ihre Wünsche und ihr Lob, aber auch Kritik offen an
Mitschüler/innen, Lehrer/innen oder Situationen zu richten. Dabei dienen nicht
nur die Arbeitsblätter zu den Regeln für den Klassenrat den Lehrer/innen.
Konzentrationsübungen und Kopiervorlagen zur Erstellung eines Protokolls können
eine hilfreiche Unterstützung auch außerhalb dieses Kontextes sein. Besonders
auffällig an Baustein 2 sind die angebotenen Alternativen zu vielen Teilen des
Grundkonzeptes, die die praktische Umsetzung durchaus realistisch machen und
für den Schulalltag somit geeignet sein können.
„Mediation und konstruktive Konfliktbearbeitung" nennt sich der 3.
Baustein. Nach recht ausgedehnten, jedoch präzisen Einführungen zum
Konfliktbegriff und zur Mediation, stellt der Autor Helmolt Rademacher
verschiedene Übungen vor, die zum einen das Konfliktverhalten in den Blick
nehmen bzw. analysieren und zum anderen bestimmte Gesprächstechniken vorstellen
bzw. zum Einüben einladen (zum Beispiel das Aktive Zuhören und die Mediativen
Fragetechniken). Die umfangreichen und zum Teil aufwendigen Übungen sind eher
für ältere Schüler oder Erwachsene, für den Schulalltag auch aus Zeitgründen
daher kaum umsetzbar.
Baustein 4 „Partizipation im schulischen Umfeld" wird anhand eines
Beispiel- Projektes vorgestellt, das sehr nett und nach einem hohen Lerneffekt
klingt, jedoch kaum umsetzbar mangels Zeit erscheint. Allerdings bieten die
methodischen Anregungen eine große Hilfe für Lehrer/innen und Schüler/innen.
Baustein 5 gibt einen Einblick in „Service Learning- Lernen durch
Engagement". Dabei sollen die Schüler/innen neben fachspezifischem Wissen
entwicklungspsychologische und didaktische Grundlagen erhalten, in dem sie
wöchentlich außerschulisches Engagement zeigen und ihre Erfahrungen
reflektieren und ihr jeweiliges Projekt evaluieren. Vor allem durch die
Benotung der Leistungen der Schüler/innen, kann man den existierenden
Leistungsdruck nicht bestreiten und es besteht die Gefahr der Überlastung bzw.
der Überforderung.
Der letzte Baustein führt in das „Demokratische Sprechen" ein. Hier werden
das kooperative Lernen, die Debatte und die Deliberation vorgestellt und
diskutiert. Die vorgestellten Methoden sind weniger für jüngere Schüler
geeignet und eher ungeeignet für den Schulalltag. Nichtsdestotrotz bietet
Baustein 6 vor allem für den außerschulischen Bereich eine gute theoretische
Grundlage zur Debatte und Deliberation.
Fazit
Die Mischung
aus Wissensvermittlung und Aufzeigen von Anwendungsmöglichkeiten ist gut
gelungen. Zudem erleichtern die 80 Arbeitsblätter den Einstieg in die
verschiedenen Methoden und dienen als Handlungsanregung. Auch wenn einige
Methoden für die Schule eher ungeeignet sind, da der Kosten-, Zeit- und
Kraftaufwand zu groß ist, bietet das „Praxisbuch Demokratiepädagogik"
einen guten Überblick unter anderem über Mediation, Debatte und Service
Learning. Aus diesem Grund ist der Sammelband durchaus auch Dozenten bzw.
Erwachsenenbildnern zu empfehlen.
Doch, wie bereits erwähnt, ist die Umsetzung der Bausteine in die Schulpraxis
schwierig. Alle vorgestellten Methoden verlangen unheimlich viel Engagement von
Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern, neben Zeit und teilweise Kosten. Nicht
nur die Durchführung ist aufwendig, sondern auch die Vor- und Nachbereitung.
Weiterhin sind Lehrer/innen, aber auch Schüler/innen dem Druck ausgesetzt, den
Vorgaben, im Speziellen dem Lehrplan, gerecht zu werden. Verlagert man aber
bestimmte Aktivitäten auf die Zeit nach dem Unterricht, geht den Schüler/innen,
natürlich aber auch den Lehrer/innen ihre Freizeit verloren. Die Realisierung
der im „Praxisbuch Demokratiepädagogik" dargestellten Projekte und
Methoden ist alles andere als leicht; die 6 Bausteine stellen daher eher einen
bildungspolitischen Idealismus, wie und was Schule sein könnte, dar!
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