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Fast keine Woche vergeht, ohne
dass der Nahostkonflikt in den Schlagzeilen und den Spitzenmeldungen im
Fernsehen auftaucht. Auch ist er mittlerweile im Lehrplan der neuen Oberstufe
des Gymnasiums präsent. Gründe genug, um eine Lehrerfortbildung zum Thema zu
veranstalten. Fast 60 Teilnehmer zeigen, dass das Interesse bei Geschichts- und
Sozialkundelehrern sehr groß ist.
Um die gewinnbringende Kooperation
der RLFB Schwaben mit der Universität Augsburg fortzusetzen, konnten zwei
Augsburger Hochschullehrer als Referenten gewonnen werden: Prof. Dr. Wolfgang
E.J. Weber, Direktor des „Instituts für Europäische Kulturgeschichte“, und PD
Dr. Peter Muench-Heubner, Lehrbeauftragter für außereuropäische Geschichte.
Prof. Weber konzentrierte sich in
seinem ungemein faktenreichen und differenzierten Vortrag „Der Nahostkonflikt:
Entstehung und Geschichte bis 1995“ auf die Rolle des Zionismus und die
wechselvolle Geschichte eines Landstrichs namens Palästina mit seinen
wechselnden Herrschern. Ausführlich wurden die Einwanderungswellen und die
Migration in Palästina dargestellt. Die Gründung des Staates Israel und der
Sechs-Tage-Krieg stellen wichtige Einschnitte der Geschichte dar und prägen die
Strukturen des Konflikts. Der Referent zeigte das Auf und Ab der verschiedenen
Friedensbemühungen und das Scheitern der Versuche. Ein eher pessimistisches
Resümee über Friedenschancen stand am Schluss der Ausführungen.
„Unterrichtsmaterialien &
Filme“ zum Nahostkonflikt waren der Gegenstand einer kurzen Präsentation von
Fritz Multrus, Fachreferent für Sozialkunde beim Ministerialbeauftragten.
Aktuelle Fachliteratur, die sich zur Unterrichtsvorbereitung eignet, sowie zwei
sehr unterschiedliche Filme standen im Vordergrund. „Waltz with Bashir“ ( Ari
Folman, Israel 2008) und „Atash (Durst)“ des palästinensischen Filmemachers
Tawik Abu Wael (Israel 2004) können unterschiedliche Sichtweisen vermitteln.
Während der Antikriegsfilm von Ari Folman die Erinnerungen eines jungen
israelischen Soldaten im ersten Libanonkrieg berührend als ‚animierte
Dokumentation’ darstellt, bietet der Film „Atash“ einen Einblick in die
archaischen und patriarchalischen Familienstrukturen der Palästinenser, die
wenig Hoffnung auf Änderung machen.
Am Nachmittag thematisierte Dr.
Muench-Heubner den aktuellen Stand und die Aussichten des Nahostkonflikts. Im
Mittelpunkt jeglicher Bemühungen um eine friedliche Lösung stehen die vier
Kernfragen: Die Grenzziehung, der Status von Jerusalem, das Rückkehrrecht der
Flüchtlinge und der Siedlungsbau der Israelis. Diese eigentlich unlösbaren
Probleme haben in den letzten Jahrzehnten jegliche Friedensinitiativen zum
Scheitern verurteilt, wie der Referent detailliert aufzeigte. Auch seine
Bewertung über die weiteren Chancen einer Konfliktlösung war eher ernüchternd.
In der Diskussion ging es auch um
die Chance für einen Palästinenserstaat. Hier hob besonders Prof. Weber hervor,
dass diese Chance durch die Siedlungen und die ungeschickte Politik der
Palästinenser schon längst verspielt sei. Immer wurden die Schwierigkeiten der
didaktischen Umsetzung hervorgehoben. Die Thematik sprengt die
Fächereinteilung, weil nicht nur historische und politische, sondern ebenso geographische,
religiöse, ethische und demographische Aspekte behandelt werden müssen. Auch
wurde mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die Komplexität des Konflikts
nicht beherrschbar und in der begrenzten Stundenzahl kaum darstellbar sei. Am
Schluss hob Prof. Weber vier Essentials für den Unterricht hervor:
Bevölkerungsbewegungen seien historisch immer mit großen Problemen verbunden,
gerade der europäische Nationalismus habe das Problem der Inklusion und
Exklusion, das jetzt im Nahen Osten im Mittelpunkt stehe, hervorgebracht, die
externen und internen Akteure müssten aufgezeigt werden und die religiöse
Aufladung von Konflikten erschwere eine Konfliktlösung ungemein.
Sicherlich kann eine eintägige
Lehrerfortbildung nicht alle Fragen klären, aber zumindest einen Anstoß und die
Motivation geben, sich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen.
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