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Informationstag „Lernort Staatsregierung“. Am Beispiel einer Exkursion des Leonhard-Wagner-Gymnasiums
Geschrieben von: Fritz Multrus   
Montag, den 11. Juli 2011 um 13:25 Uhr
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StaatskanzleiBild05_newDas politische Interesse von Jugendlichen - das zeigt die Shell Studie 2010 - bewegt sich konstant auf einem niedrigen Niveau. Damit hat auch das Fach Sozialkunde zu kämpfen. Umso willkommener ist das Angebot der Bayerischen Staatsregierung, Schülergruppen bis zu 30 Personen zu einem Besuch eines Ministeriums und der Staatskanzlei nach München einzuladen.
Erklärtes Ziel: „In Gesprächen mit leitenden Beamten und - nach Möglichkeit - mit Mitgliedern des bayerischen Kabinetts wird ein Beitrag geleistet, die Distanz zwischen Jugend und Staat abzubauen."

Ein Angebot der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung

Die Organisation und Fahrtkostenzuschüsse übernimmt die BLZ, was natürlich für die Durchführung eine große Erleichterung darstellt. Folgende Punkte sind dabei zu beachten:

  • Der Teilnehmerkreis umfasst die 9. Klassen der Hauptschule, die 10. Klassen der Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien sowie die gymnasiale Oberstufe.
  • Pro Schuljahr kann eine Schule nur eine Gruppe mit maximal 33 Teilnehmern melden. Empfehlenswert ist, nicht eine ganze Klasse bzw. Kurs mit den auch Desinteressierten mitzunehmen, sondern aus einem Jahrgang die interessierten Schüler aus verschiedenen Klassen bzw. Kursen auszuwählen.
  • Das Programm besteht aus dem Besuch eines Ministeriums, das von der BLZ vorgegeben wird, und der Staatskanzlei.
  • Das jeweilige Ministerium gibt Themenschwerpunkte zur Auswahl für die Einführungen vor.
  • Die Veranstaltung dauert von 9.45 Uhr bis 16.00 Uhr, hinzu kommt natürlich noch die Fahrt nach München.

Am Beispiel des Justizministeriums zeigt sich, dass dabei die politische Bildung sehr weit gefasst wird, z.B. die Themenschwerpunkte „Zivilrecht und Zivilverfahrensrecht" sowie „Ausbildung und Fortbildung; Prüfungsrecht" sind wohl weder für die politische Bildung noch für Schüler besonders geeignet.
So konnten sich aus Kursen der Q 12 und den 10. Klassen des Leonhard-Wagner-Gymnasiums 30 Schüler für diese Exkursion bewerben. Es ist davon auszugehen, dass damit Schüler mit einem überdurchschnittlichen politischen Interesse ausgewählt sind. Der Termin und das „Bayerische Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz" wurden von der Bayerischen Landeszentrale vorgegeben. Als Themenschwerpunkt wurde „Jugendkriminalität und Jugendstrafrecht" ausgesucht. Wichtig ist, dass schon im Unterricht die Exkursion vorbereitet wird und vielleicht auch schon Fragen notiert werden.

Auf nach München

Das Leonhard-Wagner-Gymnasium ergatterte im Herbst glücklicherweise noch relativ kurzfristig einen Termin. So machte sich an einem kalten Novembertag die Schülergruppe mit dem Bus nach München auf und kam pünktlich am Münchner Justizpalast an. Eindrucksvoll zeigte sich die Herrschaftsarchitektur des gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Neobarock errichteten Gebäudes. Der Besucher wird schon allein durch den übermächtigen Lichthof und die breite Treppenanlage eingeschüchtert. Leider war das Gebäude gerade eine Baustelle, so dass durch Gerüste, Abdeckungen und Staub kaum die Dimensionen erfassbar waren. In einem Konferenzraum fanden dann mehrere Einführungen und Vorträge statt. Nach der langen Fahrt bekamen die Schüler erfreulicherweise Getränke und belegte Brötchen. Allerdings war das für den dreistündigen Vortragsmarathon ohne Pause auch nötig.

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Nach einer etwas trockenen einstündigen Einführung in den Aufbau und die Aufgaben des Ministeriums kam der angekündigte Vortrag einer Richterin über Jugendstrafrecht und Jugendkriminalität. Hier zeigte sich das Interesse der Schüler, die mit großer Aufmerksamkeit und vielen qualifizierten Fragen bei der Sache waren. Besonderes ein Pilotprojekt, der „Youth Court", bei dem Jugendliche über Gleichaltrige bei kleineren Verstößen Sanktionen verhängen können, wurde heiß diskutiert. Nach zwei intensiven Stunden sollte ein Gespräch mit Staatsministerin Frau Dr. Merk stattfinden. Obwohl der Termin schon viele Wochen vorher bekannt war und die Ministerin im Haus war, fand sie keine Zeit wenigstens für eine kurze Begrüßung. Das zeigt dann doch, welchen Stellenwert Jugendliche und zukünftige Erstwähler für Politiker haben. In Vertretung der Ministerin musste ihr offensichtlich unvorbereiteter und nicht auf die Schüler eingestellter Pressesprecher die Gruppe eine volle Stunde mit Frage-Antwort-Spielchen beschäftigen. Erstaunlicherweise waren alle Schüler trotzdem sehr diszipliniert und blieben engagiert bei der Sache.

Schler_Staatskanzlei

Der Höhepunkt war sicherlich der Besuch von „Saal 253", in dem die Angehörigen der Widerstandsgruppe der Weißen Rose 1943 zum Tode verurteilt wurden. Die beklemmende Atmosphäre dieses Gerichtssaals wirkt auch heute noch auf die Besucher.

Im Zentrum der Macht

Nach einem Mittagessen in der Justizkantine fand noch eine kurze Vorbereitung des Besuchs der Staatskanzlei statt. Ernüchternd war, dass bei einem kleinen Ratespiel von allen bayerischen Ministern nur der Ministerpräsident Horst Seehofer und der damals noch der - nichtbayerische -Minister Karl Theodor zu Guttenberg namentlich bekannt waren - und das bei überdurchschnittlich politisch interessierten Schülern!
Das absolute Highlight des Programms ist natürlich der Besuch der Bayerischen Staatskanzlei, die sonst nicht zugänglich ist. Eine Führung durch das imposante und aufwendig renovierte ehemalige Armeemuseum geleitete die Besucher durch die stillen Korridore der Macht und in den beeindruckenden Kuppelsaal, wohl einem der schönsten Säle Bayerns. Nach einer kleinen Wartezeit konnten die Schüler in den Kabinettsaal und sogar auf den Plätzen der Minister und des Ministerpräsidenten Platz nehmen - ob da wohl ein zukünftiger Spitzenpolitiker dabei war?

Eine Bilanz

Die Bayerische Landeszentrale hatte die Veranstaltung perfekt durchorganisiert und unsere freundliche und kompetente Begleiterin kümmerte sich um alles. Für die Teilnehmer war die Exkursion sicherlich ein beeindruckendes Erlebnis in ihrer Schullaufbahn - auch wenn das eigentliche Ziel, die Distanz zwischen Jugend und Staat abzubauen, mangels Politiker als Gesprächspartner wohl eher verfehlt wurde. Und ob dadurch wirklich die politische Bildung gestärkt wird, mag man bezweifeln: Als bleibenden Eindrücke bleiben wahrscheinlich mehr die Gebäude mit ihrer beeindruckenden Architektur zurück. Und natürlich kann dieses Angebot nicht die jämmerliche Stundenausstattung des Sozialkundeunterrichts am Gymnasium kompensieren.

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Weitere Informationen

Formlose Anmeldung:

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Praterinsel 2

80538 München

Fax: 089 / 2186 - 2180

Internet: Lernort Staatsregierung

E-Mail: lernort_team@stmuk.bayern.de

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Die Organisation und Fahrtkostenzuschüsse übernimmt die BLZ, was natürlich für die Durchführung eine große Erleichterung darstellt. Folgende Punkte sind dabei zu beachten:

·         Der Teilnehmerkreis umfasst die 9. Klassen der Hauptschule, die 10. Klassen der Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien sowie die gymnasiale Oberstufe.

·         Pro Schuljahr kann eine Schule nur eine Gruppe mit maximal 33 Teilnehmern melden. Empfehlenswert ist, nicht eine ganze Klasse bzw. Kurs mit den auch Desinteressierten mitzunehmen, sondern aus einem Jahrgang die interessierten Schüler aus verschiedenen Klassen bzw. Kursen auszuwählen.

·         Das Programm besteht aus dem Besuch eines Ministeriums, das von der BLZ vorgegeben wird, und der Staatskanzlei.

·         Das jeweilige Ministerium gibt Themenschwerpunkte zur Auswahl für die Einführungen vor.

·         Die Veranstaltung dauert von 9.45 Uhr bis 16.00 Uhr, hinzu kommt natürlich noch die Fahrt nach München.

 Am Beispiel des Justizministeriums zeigt sich, dass dabei die politische Bildung sehr weit gefasst wird, z.B. die Themenschwerpunkte „Zivilrecht und Zivilverfahrensrecht“ sowie „Ausbildung und Fortbildung; Prüfungsrecht“ sind wohl weder für die politische Bildung noch für Schüler besonders geeignet.

So konnten sich aus Kursen der Q 12 und den 10. Klassen des Leonhard-Wagner-Gymnasiums 30 Schüler für diese Exkursion bewerben. Es ist davon auszugehen, dass damit Schüler mit einem überdurchschnittlichen politischen Interesse ausgewählt sind. Der Termin und das „Bayerische Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz“ wurden von der Bayerischen Landeszentrale vorgegeben. Als Themenschwerpunkt wurde „Jugendkriminalität und Jugendstrafrecht“ ausgesucht. Wichtig ist, dass schon im Unterricht die Exkursion vorbereitet wird und vielleicht auch schon Fragen notiert werden.

 
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