Dienstag, 11 Juni 2019 22:17

Youtube und die Politik

geschrieben von 

Kurz vor der diesjährigen Europawahl, die in Deutschland am 26. Mai 2019 stattfand, erschien ein Video von Youtuber Rezo mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“, welches binnen kürzester Zeit viral ging und für jede Menge Diskussionen sorgte.

In diesem knapp einstündigen Video, das inzwischen über 14 Millionen Aufrufe erreicht hat, werden die aktuellen Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD, aber auch die AfD faktenorientiert und vor allem in Bezug auf deren Klima- und Netzpolitik stark kritisiert. Ein Statement seitens der angesprochenen Parteien gab es vor den Wahlen jedoch nicht mehr. Einige Tage später veröffentlichte Rezo ein weiteres Video auf Youtube, in dem über 90 Youtuber*innen ausdrücklich dazu aufriefen, nicht die CDU/CSU, SPD sowie AfD zu wählen. Auf Youtube, aber auch anderen sozialen Netzwerken, wie Twitter, beschäftigten sich in diesen Tagen auch noch zahlreiche weitere einflussreiche Akteure mit dem Thema und analysierten die Videos auf deren Wahrheitsgehalt.

Youtube stellt gerade für die junge Wählerschaft eine beliebte Plattform dar, die großen Einfluss auf die Meinungsbildung der jungen Menschen nehmen kann. Durch den Beschluss des umstrittenen Artikel 13, Ende März 2019, der vor allem für Youtuber*innen und deren Community zum Problem werden könnte, herrschte bereits großer Unmut seitens der Betroffenen gegenüber den verantwortlichen Parteien. Nach der Wahl wurden die Stimmverluste der Volksparteien unter anderem auch den besagten Videos zugeschrieben und als „Rezo-Effekt“ bezeichnet. Vor allem CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sieht die Schuld in der „Meinungsmache“ der sozialen Netzwerke und ruft dazu auf, Regeln einzuführen, die vor Wahlen auch von Youtuber*innen eingehalten werden sollen. Für diese Aussage wird die Parteichefin jedoch stark kritisiert - ihr wird die Forderung nach Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit vorgeworfen. Den Parteien wird außerdem angelastet, ihre jüngsten Wähler*innen bisher ignoriert zu haben und den Anschluss an die moderne Kommunikation durch die sozialen Medien verpasst zu haben. Selbst den jüngeren Parteimitgliedern der CDU, wie beispielsweise Philipp Amthor, gelinge es nicht, die Wähler*innen zu überzeugen. Im Gegensatz dazu gewinnen vor allem die Grünen, unter anderem dank der Klimaaktivistin Greta Thunberg und die von ihr initiierten "Fridays for Future" auch von der jüngeren Generation immer mehr Zuspruch.
Aber auch Rezo erntet Kritik für seine Vorgehensweise. Ihm wird angekreidet, dass er seine Reichweite ausnutze und ihm die eigenständige Meinungsbildung seiner Zuschauer nicht wichtig sei. Den Vorwurf, dass Rezos Video nur Wahlwerbung für einen Werbekonzern sei, bestreitet der Youtuber.

Nach der Forderung eines Statements der Volksparteien bezüglich deren Klimapolitik, die für Rezo als einer der Hauptgründe der Stimmverluste gilt, machten diese sich erst einmal rar. Mittlerweile liegt jedoch von beiden Parteien ein Gesprächsangebot vor. Die SPD hat sogar mit Lars Klingbeil, Juso-Chef Kevin Kühnert und dem Europaabgeordneten Tiemo Wölken ein Video auf Youtube veröffentlicht, in dem sie zu den Kritiken Stellung nehmen. Auch die CDU formulierte eine offene Antwort an Rezo auf deren Internetseite und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak lud Rezo zu einem Meinungsaustausch ein.

Nachdem Rezo ein Gespräch wegen seiner Stotterprobleme zuerst abgelehnt hatte, ist er mittlerweile dazu bereit, stellt allerdings einige Bedingungen. So will er beispielweise nur mit der CDU sprechen, wenn diese auch tatsächliche ihre Klimapolitik ändere.
Am 13.06. hatte Rezo seinen ersten öffentichen TV-Auftritt seit Veröffentlichung seines Videos im NEO MAGAZIN ROYALE.

Weitere Kanäle, die sich kritisch mit der Thematik auseinander setzen finden Sie hier:

Rezo vs. Regierung - YouTube wartet auf Antworten - heute-journal vom 22.05.19 | ZDF

Rezo-Video & Co: Politik ignoriert junge Generationen! 

LeFloid und die junge Generation zum GroKo-Desaster - Talkrunde bei Illner | ZDF

Wutvideo von Youtuber Rezo im Check: "Er hat in ganz vielen Punkten Recht"

Gelesen 37 mal Letzte Änderung am Freitag, 14 Juni 2019 17:47
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten