Montag, 09 Januar 2017 14:59

Jan-Werner MĂĽller: Was ist Populismus? Ein Essay

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„Populisten, wohin das Auge reicht“ – mit dieser Feststellung beginnt Jan-Werner Müller, der Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University lehrt, sein schmales, aber gehaltvolles Bändchen über das brandaktuelle Thema. Der Autor will nicht tagespolitischen Aufgeregtheiten nachhecheln, sondern grundsätzliche Fragen, was Populismus eigentlich ist oder wer wirklich ein Populist ist, behandeln.

Kongruenz zwischen politischer Kultur und politischer Struktur ist von großer Bedeutung für die Stabilität einer Gemeinschaft. Voraussetzung für eine demokratische Kultur ist daher eine partizipative politische Kultur. Doch wie gelingt es dem Bürger, selbstbewusst einen Teil zum politischen Diskurs beizutragen?

Argumentieren unter Stress ist für die Wenigsten ein leichtes Unterfangen. Wer es beherrschen möchte muss zunächst einmal sich selbst, das heißt, die eigenen stressbedingten körperlichen und emotionalen Reaktionen beherrschen. Leichter gesagt als getan. Emotionen wie Angst, Wut oder Empörung hindern uns daran klare Gedanken zu fassen und damit auch auf gewohntem Niveau weiter zu Argumentieren. Jeder kennt das Phänomen, dass einem die eloquenten, humorvollen und schlagfertigen Antworten in der Regel erst dann einfallen, wenn die Situation, in welcher sie eigentlich benötigt werden, lange vorüber ist.

„Die Protagonisten der Migration selbst kommen also eher selten zu Wort“

 Gessner 2014, S. 5

Noch immer dominiert eine strukturell-gesellschaftliche Perspektive wenn es um Diskurse zum Thema Migration geht. Im Bezug auf eine pädagogisch-didaktische Ebene wird eine differenzierte Betrachtung der mit Migration und Einwanderung in Zusammenhang stehenden Phänomene immer dringlicher. In den Vordergrund drängt sich zunehmend die Frage danach, wie Individuen spezifische Erfahrungen vor dem Hintergrund individueller, biographischer Migrationsgeschichten verarbeiten. Auch die Didaktik der politischen Bildung hat sich bisher kaum mit der Rezeption von politischer Bildung durch Menschen mit Migrationshintergrund angenommen.

„Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“ (Joseph de Maistre) – auf diese plakative Formel ließe sich stark vereinfachend die These der Streitschrift von Christian Boeser und Karin Schnebel reduzieren. Sie stellt sehr klug einen Kausalzusammenhang her zwischen der Politikerverdrossenheit der Bürger (und Bürgerinnen) und einer Politik, die kurzsichtig und nur auf Wahlgewinne ausgerichtet ist und macht damit die Bürger selbst verantwortlich für die beklagte Bürgerferne der Politik.
Schon Alltagsgespräche über Politik haben eine Auswirkung – so die These der Streitschrift. Daher lässt sie sich als Diskursanalyse einordnen, die von der wirklichkeitskonstituierenden Wirkung gesellschaftlicher Diskurse ausgeht – und dass diese Annahme gerade im Falle der Politikerverdrossenheit nicht von der Hand zu weisen ist, wird im Buch eindrucksvoll belegt.

Montag, 12 September 2011 00:00

Politische Bildung auf Länderebene: Ein Vergleich

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Die Politische Bildung in Deutschland wurde im Rahmen der Studie "Monitor für politische Bildung" auf den Prüfstand gestellt. Es wurde genau analysiert, welchen Voraussetzungen sowohl schulische als auch außerschulische Bildungsbereiche ausgesetzt sind und auf Basis der Ergebnisse ein Vergleich zwischen den Verwaltungsebenen gezogen. Darüber hinaus wurden auch gesellschaftliche Faktoren wie Kirche und Gewerkschaften ins Auge gefasst, um schließlich Erfolge wie auch Verbesserungsbedarf aufzuzeigen.

Durch die föderale Organisation des deutschen Bildungssystems und anderer Verwaltungsapparate lassen sich zwischen den Bundesländern deutliche Unterschiede erkennen. Diese zeichnen sich am besten entlang der Institutionen, welche politische Bildung vermitteln, ab. Wichtig zu bemerken ist hierbei, dass durch die daraus resultierende Rangliste keine qualitative Einstufung des jeweiligen Engagements von Bundesländern und deren Personal vorgenommen wurde.

 

   

Die Frage, ob und inwiefern Deutschland ein Einwanderungsland ist, um die in den 1990er Jahren und teilweise auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch polemisch gestritten wurde, hat insgesamt gesehen in den letzten Jahren in der gesellschaftlichen Diskussion ein gehöriges Maß an Nüchternheit gewonnen. Dies liegt sicher unter anderem daran, dass man sich von wissenschaftlicher Seite aus zunehmend des Themas angenommen hat und in einer Reihe von Studien und Ausarbeitungen zwar nicht alles gesagt hat, was zum Thema Migration in Deutschland zu sagen ist, aber doch eine Menge. Angesichts der Tatsache, das in Deutschland inzwischen über 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben (je nachdem, welche Kriterien angelegt werden auch mehr), stellt sich demnach gegenwartsperspektivisch die Frage nach der Bedeutung und nach dem konstruktiven Umgang mit den Gegebenheiten. Hier leistet der kürzlich erschienene Titel "Migration und Alltag", der von Dr. Dirk Lange, Professor für Didaktik der Politischen Bildung an der Leibniz Universität Hannover, und Dr. Ayca Polat, Integrationsbeauftragte der Stadt Oldenburg, einen Beitrag, der den Versuch unternimmt, den unterschiedlichen bzw. vielfäligen Perspektiven auf das Phänomen "Migration" Gehör zu verschaffen und dabei die Spanne zwischen wissenschaftlicher Theorie und Praxis der politischen Bildung zu halten.

 

„Wer redet, sät - und wer zuhört, erntet" ist Jürgen Heckels Devise, die sich über seine vierzigseitige Broschüre „Kommunizieren lernen...Anregungen zur Selbsthilfe" durchzieht. Er gibt in 13 kurzen und prägnanten Kapiteln Anregungen, um die so genannte kommunikative Kompetenz einzuüben. Kommunikative Kompetenz, so Heckel, sei eine lebenslange Aufgabe; ein niemals endender Prozess der Verbesserung, Bereicherung und Vergrößerung von Fähigkeiten. Die Broschüre soll dem Leser/der Leserin helfen, bewusster auf die Entwicklung der kommunikativen Fähigkeiten zu achten und motivieren, der Entwicklung dieser Fähigkeiten systematisch Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei sieht Heckel die Einübung im Handeln, das heißt, die andauernde korrigierende Interaktion mit anderen, als das Wirksamste an.

 

 

Das von Wolfgang Edelstein, Susanne Frank und Anne Sliwka herausgegebene Praxisbuch zur Demokratiepädagogik ist ein Sammelband, das in die Ergebnisse der Demokratiepädagogik einführt und Anregungen zu dessen Umsetzung gibt. „Demokratiepädagogik umfasst pädagogische Bedingungen und Aktivitäten zur Förderung von Kompetenzen, die Menschen benötigen, um an Demokratie als Lebensform teilzuhaben und diese in Gemeinschaft mit anderen aktiv zu gestalten; [...]" heißt es in der Einführung von Wolfgang Edelstein (S. 9f). „Dabei geht es um den Erwerb von Kenntnissen über Demokratie, den Erwerb von Kompetenzen für Demokratie und um Prozesse des Lernens durch Demokratie im Kontext gemeinsamer Erfahrung demokratischer Verhältnisse" (S. 10).

Nach weiteren grundsätzlichen Überlegungen zu „Demokratie als Praxis und Demokratie als Wert" stellen die Autorinnen und Autoren in sechs Bausteinen Handlungsfelder dar, die zur demokratischen Schulentwicklung beitragen sollen. Dabei werden die theoretischen Darstellungen durch insgesamt 80 Kopiervorlagen ergänzt, die die Möglichkeit geben, die Anregungen in den eigenen Unterricht zu übertragen. Ziel ist der Erwerb der Schülerinnen und Schüler eines „demokratischen Habitus´", der über die Schule hinausgehen und Teil des Sozialcharakters werden soll. Desweiteren soll die Verantwortungsbereitschaft, das soziale Handeln und das zivilgesellschaftliche Engagement gefördert werden - theoretisch.

 

Planspiele in der politischen Bildung erfreuen sich zwar grundsätzlicher Beliebtheit und sind methodisch allgemein akzeptiert und wertgeschätzt, trotzdem gibt es aber insbesondere im Kontext schulischer politischer Bildung Faktoren, die ihren häufigeren Einsatz verhindern. Dazu gehören sicher der gefühlt höhere Aufwand im Vergleich zum Regelunterricht sowie zeitliche und methodische Unsicherheiten und Unkalkulierbarkeiten. Vorgefertigte Materialien erweisen hier ihren Nutzen, indem sie helfen, solche Hindernisse abzubauen da sie Schritt für Schritt konkrete Orientierungs- und Durchführungshilfen anbieten - das gilt umso mehr, je stärker diese Materialien bereits praxiserprobt sind. Das Planspiel "Der Generationenvetrag auf dem Prüfstand" der Autoren Ulrich Dickmann, Christoph Weishaupt und Helge Wuldsorf entspricht diesen Kriterien. Es wurde sowohl in der schulischen als auch in der außerschulischen politischen Bildung eingesetzt und entstammt der Feder dreier Autoren, die unterschiedliche Handlungs- und Erfahrungskontexte einbringen.
 

 

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